Hormonspirale
Hormonspirale erklärt: Wirkung, Einsetzen, Dauer, Kosten, Nebenwirkungen und Erfahrungen.
Die Hormonspirale ist ein hormonbasiertes Verhütungsmittel, das vom Arzt in die Gebärmutter eingesetzt wird. Sie gibt kontinuierlich ein Gestagen (Gelbkörperhormon) ab und schützt so für mehrere Jahre zuverlässig vor Schwangerschaft. Dabei wirkt sie direkt in der Gebärmutter und kann die Monatsblutung schwächer werden lassen oder sogar ganz zum Ausbleiben bringen. Im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden punktet die Hormonspirale mit einer sehr hohen Sicherheit und geringem Aufwand im Alltag, hat jedoch auch mögliche Nebenwirkungen und ist nicht für jede Frau gleichermaßen geeignet.
Key Takeaways
- Die Hormonspirale (hormonelle Spirale) ist ein kleines T-förmiges Kunststoffteil, das in der Gebärmutter platziert wird und dort über 3–5 Jahre ein Hormon (Gestagen) freisetzt zur Verhütung.
- Wirkungsweise: Sie verdickt den Zervixschleim und dünnt die Gebärmutterschleimhaut aus, sodass Spermien kaum durchdringen und sich kein befruchtetes Ei einnisten kann. Oft wird auch der Eisprung unterdrückt (je nach Spiralen-Typ teilweise).
- Sicherheit: Die Hormonspirale gehört zu den sichersten Verhütungsmethoden (über 99 % Wirksamkeit). Einnahmefehler entfallen, da sie einmal eingesetzt kontinuierlich wirkt.
- Vorteile: Sehr zuverlässiger Langzeitschutz (meist 3–5 Jahre), kaum täglicher Aufwand, häufig schwächere oder schmerzärmere Perioden. Auch für Frauen, die Östrogen meiden müssen (z.B. Stillzeit oder Thromboserisiko), ist sie meist geeignet.
- Nachteile: Das Einlegen erfordert einen gynäkologischen Eingriff und kann kurz schmerzhaft sein. In den ersten Monaten treten oft Zwischenblutungen auf. Mögliche hormonelle Nebenwirkungen sind z.B. Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Akne. Die Spirale schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten.
- Geeignet ist die Methode besonders für Frauen, die eine langfristige Verhütung wünschen. Nicht geeignet ist sie bei bestimmten gesundheitlichen Bedingungen (z.B. Fehlbildungen der Gebärmutter, akute Infektionen) oder wenn man generell keine hormonelle Verhütung möchte.
Was ist eine Hormonspirale?
Eine Hormonspirale ist ein kleines T-förmiges Verhütungsstäbchen aus flexiblem Kunststoff. Sie wird von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt. Im Inneren der Spirale befindet sich ein Zylinder mit einem Gestagen-Hormon (häufig Levonorgestrel), das über einen langen Zeitraum in sehr geringer Dosis abgegeben wird.
Die Hormonspirale wird manchmal auch als IUS („IntraUterin-System“) bezeichnet. Sie wirkt lokal in der Gebärmutter und dient primär der Schwangerschaftsverhütung. Es gibt verschiedene Modelle von Hormonspiralen; bekannte Beispiele sind Mirena®, Kyleena® oder Jaydess®. Je nach Modell unterscheiden sie sich in der Hormondosis, Größe und der Wirkdauer. Allen gemeinsam ist, dass sie rezeptpflichtig sind und von einem Arzt eingesetzt und entfernt werden müssen.
Wie wirkt sie?
Die Wirkung der Hormonspirale beruht auf dem kontinuierlich freigesetzten Gestagen, das vor Ort in der Gebärmutter folgende Effekte hat:
- Verdickung des Zervixschleims: Der Schleimpfropf am Gebärmutterhals wird zäher, sodass Spermien kaum in die Gebärmutter aufsteigen können.
- Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Die Gebärmutterschleimhaut bleibt unter dem Hormoneinfluss sehr dünn. Sollte dennoch eine Befruchtung stattfinden, könnte sich das Ei nur schwer einnisten.
- Hemmung des Eisprungs: Bei manchen Frauen unterdrückt das Gestagen der Spirale auch den Eisprung teilweise oder ganz. Dies ist allerdings eher ein zusätzlicher Effekt, vor allem bei den höher dosierten Spiralen, und nicht der Hauptwirkmechanismus.
Durch diese Wirkungsweisen bietet die Hormonspirale einen sehr hohen Empfängnisschutz. Typischerweise liegt der Pearl-Index (Maß für die Verhütungssicherheit) etwa bei 0,1–0,3. Das heißt, von 1000 Frauen mit Spirale werden statistisch weniger als 1 Frau pro Jahr ungewollt schwanger – ein ausgezeichnet niedriger Wert. Zum Vergleich: Bei der „Pille“ liegt dieser Wert (bei korrekter Einnahme) um 0,1–0,9.
Ein Nebeneffekt der Hormonspirale ist, dass die Menstruationsblutung schwächer werden kann. Viele Anwenderinnen haben nur noch sehr geringe oder kürzere Blutungen, manche bekommen nach einigen Monaten sogar gar keine Periodenblutung mehr. Das Ausbleiben der Blutung (Amenorrhö) unter der Spirale ist medizinisch unbedenklich, da sich ja kaum Schleimhaut aufbaut. Einige Frauen empfinden dies als Vorteil, andere vermissen ihre regelmäßige Periode – das ist individuell unterschiedlich.
Unterschiede zu anderen Verhütungsmethoden
Die Hormonspirale ist eine von vielen Verhütungsoptionen. Wichtige Unterschiede zu anderen Methoden sind:
- Hormonspirale vs. Kupferspirale: Beide sind „Spiralen“, die in der Gebärmutter liegen, aber die Kupferspirale kommt ohne Hormone Stattdessen gibt sie Kupferionen ab, welche Spermien inaktivieren und die Einnistung stören. Eine Kupferspirale kann meist länger liegen bleiben (je nach Modell 3–10 Jahre) und beeinflusst die Monatsblutung nicht hormonell – allerdings werden die Blutungen unter Kupfer oft stärker und schmerzhafter, während sie unter der Hormonspirale meist schwächer ausfallen oder ausbleiben. Die Hormonspirale ist wegen der Hormone teurer, kann dafür aber Menstruationsbeschwerden lindern. Welche besser passt, hängt von den persönlichen Vorlieben und Verträglichkeiten ab.
- Hormonspirale vs. Antibabypille: Die Pille wirkt systemisch durch täglich eingenommene Hormone (Östrogen + Gestagen), während die Spirale ihr Gestagen vorwiegend lokal in der Gebärmutter Ein großer Vorteil der Spirale: Man muss nicht täglich an die Einnahme denken – Einnahmefehler durch Vergessen entfallen. Auch Magen-Darm-Probleme oder Zeitzonenwechsel (Reisen), die bei der Pille die Sicherheit beeinflussen könnten, spielen bei der Spirale keine Rolle. Zudem enthält die Hormonspirale kein Östrogen, was sie für Frauen geeignet macht, die östrogenhaltige Verhütung (Pille, Ring, Pflaster) nicht vertragen oder nicht anwenden dürfen. Andererseits lässt sich die Spirale nicht so einfach „absetzen“ wie die Pille – wenn man Nebenwirkungen hat, muss sie von der Ärztin entfernt werden.
- Hormonspirale vs. Kondom: Kondome sind eine Barrieremethode und müssen bei jedem Geschlechtsverkehr neu angewendet werden. Sie schützen als einzige Methode auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Hormonspirale bietet keinen Infektionsschutz, ist dafür aber in Sachen Schwangerschaftsverhütung deutlich zuverlässiger (unabhängig von Anwendungssituation oder -technik). Viele Paare kombinieren beides: Spirale zur sicheren Verhütung und Kondome bei neuen/wechselnden Partnern zum Schutz vor Krankheiten.
- Hormonspirale vs. Hormonimplantat/Spritze: Das Verhütungsimplantat („Stäbchen“) und die Drei-Monats-Spritze sind ebenfalls langfristige hormonelle Methoden. Das Implantat im Oberarm gibt ebenfalls ein Gestagen ab und wirkt bis zu 3 Jahre; die Depot-Spritze hält ca. 3 Monate. Beide enthalten jedoch kein Östrogen, ähnlich wie die Spirale. Unterschiede: Die Spritze kann nicht vorzeitig „entfernt“ werden – bei Unverträglichkeit muss man warten, bis die 3 Monate vorbei sind. Das Implantat und die Spirale kann man hingegen vom Arzt auf Wunsch früher entfernen lassen. Die Hormonspirale wirkt lokal in der Gebärmutter, während Implantat und Spritze das Gestagen über das Blut im ganzen Körper verteilen.
Fazit: Die Hormonspirale ist besonders attraktiv für Frauen, die langfristig und sehr sicher verhüten möchten, ohne täglich daran denken zu müssen – und die mit einer möglicherweise veränderten Blutung (weniger oder keine Periode) einverstanden sind. Wer jedoch einen Schutz vor HIV/STD braucht oder Hormone generell ablehnt, müsste zusätzlich Kondome nutzen oder eine nichthormonelle Methode wählen.
Vor- und Nachteile der Hormonspirale
Vorteile: Die Hormonspirale bietet eine Reihe von Vorteilen:
- Sehr hoher Verhütungsschutz: Mit einem Pearl-Index von ~0,2 gehört sie zu den zuverlässigsten Methoden – vergleichbar mit Sterilisation, aber reversibel.
- Langzeitwirkung: Je nach Spiralen-Typ wirkt sie 3 bis 5 Jahre, ohne dass man sich laufend kümmern muss. Gerade für Frauen mit abgeschlossenem Familienplan oder die in nächster Zeit keine Schwangerschaft möchten, ist das ideal.
- Kein tägliches Einnehmen: Anders als bei Pille & Co entfällt die tägliche Einnahme bzw. Anwendungsroutine. Das nimmt mentalen Druck und es passiert kein „Anwendungsfehler“ durch Vergessen.
- Lokal niedrige Hormonbelastung: Die abgegebene Hormondosis ist niedrig und hauptsächlich lokal wirksam. Deshalb bleibt der Eisprung oft erhalten, und der Körper wird insgesamt geringer hormonell belastet als bei einer Pille (die durchs Blut wirkt). Viele Frauen berichten, dass sie weniger hormonbedingte Beschwerden haben als z.B. bei einer Östrogen-Gestagen-Pille.
- Abschwächung von Periodenschmerzen und -blutung: Unter dem Einfluss der Hormonspirale werden Menstruationsblutungen meist kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft. Insbesondere Frauen, die unter starken Regelblutungen oder Krämpfen leiden, können davon profitieren. Die hochdosierte Variante (z.B. Mirena®) wird gynäkologisch oft gerade bei sehr starken Blutungen empfohlen, weil sie diese erheblich reduzieren kann.
- Geeignet bei Östrogen-Verzicht: Frauen, die kein Östrogen einnehmen dürfen oder wollen – z.B. Stillende, Raucherinnen über 35, Migränepatientinnen mit Aura, erhöhtes Thromboserisiko – können die Hormonspirale meist verwenden, da sie nur Gestagen enthält. Das Thromboserisiko ist unter der Hormonspirale nicht erhöht, im Gegensatz zu kombinierten Methoden mit Östrogen. Auch in der Stillzeit gilt die Hormonspirale als eine sichere Option (wird meist ab 3 Monate nach der Geburt eingesetzt).
- Rasche Fruchtbarkeit nach Entfernung: Möchte man doch schwanger werden, kann die Spirale jederzeit von der Ärztin entfernt werden. Bereits im ersten Zyklus nach Entfernung ist grundsätzlich wieder eine Schwangerschaft möglich; es gibt keine langfristige hormonelle Nachwirkung.
Nachteile: Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige potenzielle Nachteile oder Unannehmlichkeiten:
- Erfordernis eines Eingriffs: Die Hormonspirale muss von einer Gynäkologin eingesetzt werden. Das Einlegen erfolgt meist während der Menstruation und dauert nur wenige Minuten, kann aber für manche Frauen unangenehm oder schmerzhaft sein. In seltenen Fällen kann es bei der Einlage zu Komplikationen kommen (z.B. Verletzung der Gebärmutterwand, ca. 2 von 1000 Fällen). Viele Frauen haben direkt nach dem Einsetzen krampfartige Schmerzen, die jedoch in der Regel nach ein paar Stunden bis Tagen abklingen.
- Anfangs unregelmäßige Blutungen: In den ersten 3–6 Monaten nach Einlage der Spirale sind Schmier- und Zwischenblutungen sehr häufig. Der Körper muss sich erst an das Hormon gewöhnen. Diese unregelmäßigen Blutungen stabilisieren sich meist mit der Zeit. Es kann allerdings passieren, dass die Periodenblutung unvorhersehbar kommt oder ausbleibt – einige Frauen stört diese Ungewissheit, gerade wenn die Periode ganz wegfällt (manche machen sich dann Sorgen wegen einer möglichen Schwangerschaft).
- Hormonelle Nebenwirkungen: Obwohl die Hormonspirale weniger systemische Wirkungen hat als etwa die Pille, können Nebenwirkungen auftreten, insbesondere in den ersten Monaten. Dazu gehören z.B. Kopfschmerzen, Brustspannen, Hautveränderungen (Akne oder fettigere Haut), Stimmungsschwankungen bis hin zu Verstimmungen oder Libidoverlust. Viele dieser Effekte lassen nach einiger Zeit nach, wenn der Körper sich eingestellt hat. Schwere Nebenwirkungen sind selten, aber nicht ausgeschlossen – z.B. kann bei entsprechend veranlagten Frauen eine Hormonspirale möglicherweise das Brustkrebsrisiko leicht erhöhen (die Datenlage ist hierzu noch nicht eindeutig).
- Keine STI-Prävention: Wie erwähnt, schützt eine Hormonspirale nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen. Bei wechselnden Sexualpartnern muss also zusätzlich z.B. ein Kondom verwendet werden, um Krankheiten vorzubeugen.
- Kosten und Zugang: Die Anschaffungskosten für eine Hormonspirale sind relativ hoch (mehrere hundert Euro inklusive Einlage). Zwar relativiert sich das auf die lange Nutzungsdauer, doch die Summe muss erst einmal aufgebracht werden. Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten oft nur bis zum 22. Lebensjahr (ähnlich wie bei der Pille).
- Seltene Risiken: In seltenen Fällen kann die Spirale verrutschen oder ausgestoßen werden, vor allem in den ersten Monaten. Passiert dies unbemerkt, wäre der Empfängnisschutz verloren – daher sind Kontrollen wichtig (mehr dazu unten). Ein weiteres seltenes Risiko ist eine Infektion der Gebärmutter/Eileiter direkt nach dem Einlegen (bei etwa 5 von 1000 Frauen). Das Risiko besteht vor allem, wenn bereits zum Zeitpunkt der Einlage eine unbehandelte Infektion wie Chlamydien vorliegt. Deshalb wird oft vor Einlage ein Test auf solche Infektionen gemacht.
Zusammengefasst bietet die Hormonspirale erhebliche Vorteile in Bezug auf Sicherheit und Bequemlichkeit, erfordert aber die Bereitschaft, sich auf eine hormonelle Langzeitmethode mit den genannten möglichen Nachteilen einzulassen. Jede Frau muss für sich abwägen, was ihr wichtiger ist.
Nebenwirkungen der Hormonspirale
Hormonelle Nebenwirkungen: Wie jedes hormonelle Verhütungsmittel kann auch die Hormonspirale Nebenwirkungen verursachen. Aufgrund der lokal begrenzten Wirkung treten systemische (den ganzen Körper betreffende) Nebenwirkungen zwar seltener und meist schwächer auf als etwa bei der Pille, aber insbesondere Anfangserscheinungen sind häufig. Typische Nebenwirkungen in den ersten Monaten sind:
- Kopfschmerzen und Migräne: Einige Frauen berichten vermehrt von Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken.
- Brustspannen: Durch die hormonelle Umstellung können die Brüste zeitweise empfindlicher sein oder leicht anschwellen.
- Hautveränderungen: Während manche Frauen eine Verbesserung ihres Hautbildes bemerken, entwickeln andere vermehrt Pickel oder fettige Haut. Akne kann sich unter höher dosierten Gestagen-Spiralen etwas verschlechtern.
- Stimmungsschwankungen: Die zusätzliche Hormonzufuhr kann Launenhaftigkeit, Reizbarkeit oder niedergeschlagene Verstimmungen auslösen. Einige Frauen verspüren auch weniger Lust auf Sex (Libidoabnahme).
- Gewichtsveränderungen: Direkt durch die Spirale kommt es selten zu deutlichen Gewichtsschwankungen. Allerdings klagen manche Frauen über Wassereinlagerungen oder einen aufgeblähten Bauch, vor allem anfänglich. Appetitänderungen sind ebenfalls möglich – bei einigen nimmt der Appetit zu, was indirekt zu Gewichtszunahme führen könnte; bei anderen bleibt alles unverändert.
In der Regel treten diese Beschwerden – falls sie auftreten – in den ersten Wochen bis Monaten auf und bessern sich dann von selbst. Der Körper gewöhnt sich meist an den Hormonhaushalt. Sollten allerdings starke oder anhaltende Beschwerden bestehen (z.B. depressive Verstimmungen, Dauer-Kopfschmerz) ist es wichtig, das mit der Ärztin zu besprechen. In manchen Fällen wird dann erwogen, die Spirale vorzeitig zu entfernen und auf eine andere Verhütung umzusteigen.
Andere Risiken und Komplikationen: Abgesehen von hormonellen Effekten gibt es ein paar spezielle Risiken im Zusammenhang mit der Spirale:
- Perforation (Verletzung der Gebärmutter): Sehr selten (circa 2 von 1000 Einlagen) kann bei der Einführung die Gebärmutterwand verletzt werden. Das passiert meist nur, wenn die Gebärmutter ungünstig positioniert ist oder kurz nach einer Geburt, wenn das Gewebe noch weich ist. In der Regel bemerkt der Arzt eine solche Perforation sofort und kann sie versorgen.
- Infektionen: In den ersten Wochen nach Einlage besteht ein leicht erhöhtes Risiko für aufsteigende Gebärmutter- oder Eileiterentzündungen. Dies betrifft insbesondere Frauen, die zum Zeitpunkt der Einlage eine unbemerkte Geschlechtskrankheit (wie Chlamydien oder Gonorrhoe) hatten. Symptome wären z.B. anhaltende Unterleibsschmerzen, Fieber, übel riechender Ausfluss. Dann muss sofort ärztlich behandelt werden (Antibiotika) und gegebenenfalls die Spirale entfernt werden. Nach einigen Wochen ist das Infektionsrisiko mit Spirale aber nicht höher als ohne Spirale.
- Spiralen-Lage und Ausstoßung: In ca. 5% der Fälle verrutscht die Spirale in den ersten Monaten oder wird vom Körper ausgestoßen. Mögliche Anzeichen sind ungewöhnliche Schmerzen, stark veränderte Blutungen oder dass man die Rückholfäden plötzlich länger oder gar nicht mehr ertasten kann. In so einem Fall ist die Verhütungswirkung unsicher und man sollte zeitnah zum Frauenarzt, um die Lage zu prüfen.
Hinweis: Schützt die Spirale versagensbedingt nicht und es kommt (selten) zu einer Schwangerschaft, besteht eine etwas erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass es eine Eileiterschwangerschaft sein könnte. Daher muss bei positivem Schwangerschaftstest trotz Spirale umgehend eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Wenn eine normale Schwangerschaft in der Gebärmutter vorliegt, wird versucht, die Spirale möglichst zu entfernen, um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren.
Insgesamt gilt die Hormonspirale aber als gut verträglich. Viele Frauen haben außer kleineren Anfangsproblemen keine nennenswerten Nebenwirkungen im Langzeitgebrauch. Wichtig ist, den Körper in den ersten Monaten zu beobachten und bei Auffälligkeiten ärztlichen Rat einzuholen.
Für wen ist die Hormonspirale geeignet (und für wen nicht)?
Die Hormonspirale ist vor allem für Frauen attraktiv, die lange Zeit verhüten möchten, ohne täglich daran denken zu müssen. Sie eignet sich für Frauen jeden Alters, auch für junge Frauen und Frauen, die noch nicht geboren haben – entgegen früherer Annahmen. Moderne Hormonspiralen sind oft kleiner designt (z.B. für junge Frauen), und das Infektionsrisiko ist nur gering erhöht, sodass auch noch kinderlose Frauen eine Spirale wählen können, sofern die Gebärmutter normal entwickelt ist.
Besonders geeignet ist die Hormonspirale:
- Bei langfristigem Verhütungswunsch: Wenn man für mehrere Jahre keine Schwangerschaft plant, ist die Spirale ideal, da sie 3–5 Jahre Schutz liefert.
- Wenn man kein Östrogen nehmen will/darf: Frauen mit Migräne mit Aura, erhöhtem Thromboserisiko, Raucherinnen über 35, Stillende oder solche mit östrogenbedingten Nebenwirkungen (z.B. starker Migräne unter Pille) sind mit der rein gestagenhaltigen Spirale oft besser beraten.
- Bei starken Periodenblutungen: Frauen, die unter einer sehr starken oder schmerzhaften Menstruation leiden, profitieren oft von der Spirale, da diese die Blutung schwächt. Manche Gynäkologen verschreiben die Hormonspirale sogar therapeutisch bei Menorrhagie (übermäßig starker Regelblutung) oder Endometriose in der Gebärmutter, um die Beschwerden zu lindern.
- Für Frauen, die Zuverlässigkeit schätzen: Wer sicher gehen will, keinen Einnahmefehler zu machen – z.B. weil ein stressiger Alltag das tägliche Pillendenken erschwert – der erhält mit der Spirale eine „Sorglos-Lösung“, sobald sie liegt.
- Nach abgeschlossener Familienplanung (als Alternative zur Sterilisation): Frauen, die eigentlich keine (weiteren) Kinder mehr möchten, aber keinen operativen Eingriff zur Sterilisation wollen, können mit der Hormonspirale über viele Jahre verhüten und sie bei Bedarf doch wieder entfernen lassen, falls man es sich anders überlegt.
Nicht geeignet bzw. kontraindiziert ist die Hormonspirale in folgenden Fällen:
- Akute oder chronische Infektionen im Beckenbereich: Bei bestehenden Entzündungen der Gebärmutter, der Eierstöcke oder im kleinen Becken darf keine Spirale eingelegt werden, bevor diese ausgeheilt sind. Auch wer häufig unter Unterleibsinfektionen leidet, sollte vorsichtig abwägen.
- Anatomische Besonderheiten: Frauen mit bestimmten Gebärmutter-Fehlbildungen oder sehr ausgeprägten Myomen (gutartigen Muskelknoten), die die Gebärmutterhöhle verformen, können oft keine Spirale tragen – entweder weil sie nicht passt oder häufiger verrutscht. Hier muss der Arzt individuell beurteilen, ob eine Einlage möglich ist.
- Hormonabhängige Tumorerkrankungen: Besteht oder bestand ein hormonabhängiger Tumor (z.B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs), ist eine Hormonspirale meist nicht angezeigt. Zwar wirkt sie überwiegend lokal, aber es geht dennoch eine geringe Menge Hormons ins Blut – bei östrogenpositivem Brustkrebs z.B. raten Ärzte von jeder zusätzlichen Hormonquelle ab.
- Ungeklärte Blutungsursachen: Bei unklaren vaginalen Blutungen oder Veränderungen am Gebärmutterhals (Pap-Test auffällig) sollte zunächst die Ursache geklärt und gegebenenfalls behandelt werden, bevor man an eine Spirale denkt.
- Allgemeine Kontraindikationen für Gestagene: Sehr selten gibt es Frauen, die z.B. schwere Lebererkrankungen oder Allergien gegen Bestandteile der Spirale haben – auch dann darf die Spirale nicht verwendet werden.
- Wunsch nach natürlichem Zyklus: Manche Frauen möchten jeden Monat eine Periodenblutung haben oder generell keine Hormone in ihrem Körper – für sie ist die Hormonspirale psychologisch nicht das Richtige. Wenn das Ausbleiben der Periode als beunruhigend empfunden wird, kann die Spirale mehr Stress als Nutzen bringen. In solchen Fällen wären nichthormonelle Methoden (wie Kupferspirale oder Barrieremethoden) passender.
Letztlich entscheidet die Frauenärztin nach einer Untersuchung, ob die Hormonspirale in Ihrem individuellen Fall infrage kommt. Aspekte wie die Größe und Form der Gebärmutter, Ihre Krankengeschichte und Präferenzen werden dabei berücksichtigt.
Tipp: Falls die klassische Hormonspirale (wie Mirena®) aus bestimmten Gründen nicht ideal erscheint (etwa bei sehr junger Patientin mit kleiner Gebärmutter), gibt es Alternativen: Kleinere und niedriger dosierte Spiralen (z.B. Jaydess®) für kürzere Anwendungsdauer oder auch die Kupferkette als hormonfreie Variante. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt hilft, die passende Verhütungsmethode zu finden.
Einlage und Wirkungsdauer
Einlage der Spirale: Die Hormonspirale muss von einer Ärztin oder einem Arzt gelegt werden. In der Regel wird dies während der Menstruation gemacht, weil zu diesem Zeitpunkt der Gebärmutterhalskanal etwas erweitert ist und die Wahrscheinlichkeit einer bestehenden Schwangerschaft am geringsten ist. Zunächst erfolgt eine gynäkologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Lage und Größe der Gebärmutter (meist tastend oder per Ultraschall) und stellt sicher, dass keine Infektion vorliegt. Dann wird die Spirale mithilfe eines dünnen Röhrchens über die Scheide durch den Muttermund in die Gebärmutter geschoben. Dieser Vorgang dauert nur wenige Minuten.
Das Einsetzen kann für manche Frauen schmerzhaft sein – von einem kurzen, menstruationsähnlichen Krampf bis hin zu stärkeren Schmerzen, je nach individueller Empfindlichkeit und Gebärmutterhalsweite. Auf Wunsch kann man vorher ein Schmerzmittel einnehmen oder es kann eine lokale Betäubung gesetzt werden. Nach dem Einlegen kürzt der Arzt die Rückholfäden der Spirale so, dass sie etwa 1–2 cm aus dem Gebärmutterhals in die Scheide reichen. Diese Fäden dienen später zum Entfernen der Spirale und zur Kontrolle.
Kontrolle nach Einlage: Etwa 4–6 Wochen nach dem Einsetzen wird meist ein Kontrolltermin vereinbart. Dabei wird per Ultraschall oder Tastuntersuchung geschaut, ob die Spirale korrekt sitzt. Wenn alles in Ordnung ist, reichen danach die routinemäßigen gynäkologischen Untersuchungen (ein- bis zweimal jährlich), bei denen die Lage der Spirale mitkontrolliert wird. Natürlich sollte man sich sofort melden, wenn ungewöhnliche Beschwerden auftreten.
Wirkungsdauer und Wechsel: Je nach Modell kann die Hormonspirale mindestens 3 bis zu 5 Jahre in der Gebärmutter verbleiben und zuverlässig verhüten. Einige neuere Spiralen oder offizielle Empfehlungen lassen sogar eine etwas längere Liegedauer zu (bei Mirena z.B. bis 6 Jahre laut manchen Studien). In der Praxis wird aber meist zum Wechsel nach Ablauf der empfohlenen Zeit geraten, da dann der Hormonvorrat nahezu aufgebraucht ist und die Verhütungssicherheit nachlassen könnte.
Will man die Spirale vorzeitig entfernen lassen – sei es wegen Kinderwunsch oder aufgrund von Unverträglichkeit – kann dies jederzeit erfolgen. Die Entnahme sollte ebenfalls durch einen Arzt erfolgen. Dabei zieht die Ärztin vorsichtig an den Rückholfäden, wodurch die flexible T-Spirale die Arme anlegt und herausgleitet. Das Entfernen geht meist schnell und ist oft weniger unangenehm als das Einlegen (oft spürt man nur einen kurzen Krampf). Direkt nach Entfernung der Spirale ist eine Frau grundsätzlich wieder fruchtbar und kann schwanger werden, sofern kein anderes Verhütungsmittel verwendet wird.
Sofortschutz und Wechsel von anderen Methoden: Wenn die Spirale innerhalb der ersten 7 Zyklustage (also während oder direkt nach der Periode) eingesetzt wird, besteht sofortiger Verhütungsschutz ab dem Tag der Einlage. Wird sie zu einem anderen Zykluszeitpunkt gelegt, empfiehlt man, in den folgenden 7 Tagen zusätzlich z.B. mit Kondom zu verhüten, da das Gestagen erst aufbaut und volle Wirkung erreicht.
Beim Wechsel von einer anderen Verhütungsmethode auf die Spirale (z.B. von der Pille) wird der Arzt anleiten, wie man am besten umsteigt, damit kein Schutzloch entsteht. Oft wird geraten, die Spirale am letzten Tag der Pillenwirkung oder kurz danach einzulegen und noch eine Woche doppelt zu verhüten, um ganz sicher zu sein.
Kontrolle der Lage im Alltag: Die Anwenderin selbst kann (und sollte) hin und wieder prüfen, ob die Spirale noch an Ort und Stelle ist. Dazu tastet man mit einem Finger tief in der Scheide nach den feinen Rückholfäden am Muttermund. Diese fühlen sich wie zwei dünne, feste Fädchen an. Am besten tastet man direkt nach der Menstruation, weil der Muttermund dann oft etwas tiefer steht. Wenn man die Fäden wie gewohnt spürt, ist das ein Hinweis, dass die Spirale noch da sitzt. Sollten sie sich plötzlich viel länger anfühlen oder gar nicht mehr tastbar sein, könnte das bedeuten, dass die Spirale verrutscht oder ausgestoßen wurde – dann bitte baldmöglichst einen Arzt aufsuchen. Allerdings gelingt das Ertasten nicht jeder Frau (manche kommen nicht so weit, oder die Fäden sind sehr kurz geschnitten), daher ersetzen Selbstkontrollen nicht die gynäkologischen Kontrollen.
Tipps im Alltag mit der Spirale
Im täglichen Leben erfordert die Hormonspirale kaum Aufwand – genau darin liegt einer ihrer Vorzüge. Dennoch gibt es ein paar praktische Tipps, die helfen, die Anwendung sicher und angenehm zu gestalten:
- Regelmäßige Check-ups: Gehen Sie wie empfohlen zu den Nachsorge-Untersuchungen (etwa 6 Wochen nach Einlage und dann jährlich). Das stellt sicher, dass die Spirale korrekt sitzt und es zu keinen unerkannten Problemen gekommen ist.
- Fäden kontrollieren: Lernen Sie, die Rückholfäden in der Scheide zu ertasten, und überprüfen Sie etwa einmal im Monat (z.B. nach der Periode), ob Sie diese spüren. Das gibt Sicherheit, dass die Spirale nicht unbemerkt verloren gegangen ist. Keine Sorge: Die Fäden können sich anfangs etwas „stachelig“ anfühlen, werden mit der Zeit aber weicher. Ihr Partner spürt sie beim Sex in der Regel nicht; falls doch, kann der Arzt die Enden etwas kürzen.
- Hygiene und Infektionsschutz: In den ersten Tagen nach dem Einlegen sollte man auf Tampons verzichten und lieber Binden verwenden, um das Infektionsrisiko zu minimieren, solange der Muttermund noch leicht geöffnet ist. Später können Tampons und Menstruationstassen grundsätzlich weiter benutzt werden. Bei der Menstruationstasse ist nur etwas Vorsicht geboten: Beim Entfernen der Tasse darauf achten, nicht an den Spiralen-Fäden zu ziehen. Bei wechselnden Sexualpartnern gilt: zusätzlich Kondome benutzen, da die Spirale vor Krankheiten nicht schützt.
- Geduld am Anfang: Lassen Sie sich von anfänglichen Schmierblutungen oder Zipperlein nicht sofort entmutigen. Der Körper benötigt ein paar Monate, um sich an die Spirale und das Gestagen zu gewöhnen. In dieser Zeit sind Zwischenblutungen normal. Legen Sie sich eine gute Monats-Hygiene (Slipeinlagen) zurecht und beobachten Sie über 3–6 Monate, ob sich der Zyklus beruhigt. In vielen Fällen pendelt es sich ein und Sie haben dann deutlich weniger oder gar keine Blutungen mehr.
- Symptome ernst nehmen: Treten außerhalb der normalen Eingewöhnung stärkere Schmerzen, anhaltendes Fieber, ungewöhnlicher Ausfluss oder andere beunruhigende Symptome auf, suchen Sie bitte frühzeitig Ihre Ärztin auf. Es könnte ein Hinweis sein, dass etwas nicht stimmt (Infektion, Verrutschen etc.). Lieber einmal mehr kontrollieren lassen – meist ist alles in Ordnung, aber im Fall der Fälle kann schnelles Handeln größere Probleme verhindern.
- Kalender führen: Notieren Sie sich den Ablauf der Wirkzeit Ihrer Spirale, am besten mit Puffer. Zum Beispiel können Sie im Kalender eintragen, wann 5 Jahre voll sind. So vergessen Sie nicht, rechtzeitig einen Wechseltermin zu planen. Manche Arztpraxen bieten auch an, Sie ans Wechseldatum zu erinnern.
- Schwangerschaftstest bei ausbleibender Periode: Wenn Ihre Blutungen unter der Hormonspirale ganz aufgehört haben, ist das zunächst kein Grund zur Sorge. Sollten aber Anzeichen einer Schwangerschaft auftreten oder Sie sich unsicher fühlen (etwa weil die Fäden nicht tastbar sind), schadet ein Schwangerschaftstest zur Beruhigung nicht. Bei einem positiven Test sofort zum Arzt gehen.
Ansonsten dürfen Sie alles tun, was Sie auch ohne Spirale tun würden – Sport (auch Schwimmen), Saunieren, Geschlechtsverkehr, Tampon benutzen (wie oben erwähnt, mit Sorgfalt), Reisen etc. Die Spirale schränkt im Alltag nicht ein. Viele Frauen vergessen nach einiger Zeit sogar, dass sie überhaupt eine Spirale tragen, da man sie nicht spürt. Genau diese „Sorglosigkeit“ macht die Methode so beliebt.