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F32.1 – Mittelgradige depressive Episode: Symptome, Behandlung und Unterschiede

Was steckt hinter der Diagnose F32.1? Lies, wie sich eine mittelgradige Depression äußert und welche Hilfen es gibt.

Die Diagnose F32.1 steht im ICD-10 für eine mittelgradige depressive Episode – kurz gesagt eine Depression mittleren Schweregrades. Was heißt das genau? Im Alltag würde man von einer mittelstarken Depression sprechen, also schwerer als eine leichte Verstimmung, aber noch nicht so extrem wie eine schwere Depression. Betroffene mit F32.1 fühlen sich über mindestens zwei Wochen tief niedergeschlagen, haben kaum Antrieb und das Leben ist deutlich beeinträchtigt. In diesem Artikel erklären wir dir, welche Symptome typisch sind, wie lange so eine Episode dauern kann und wie sie den Alltag beeinflusst. Außerdem geht es um Behandlungsmöglichkeiten – von Psychotherapie über Medikamente bis zu Selbsthilfe – und wir schauen darauf, wie sich eine mittelschwere Depression von einer leichteren oder schweren unterscheidet. Abschließend beantworten wir häufige Fragen, etwa zur Episodendauer und zur Notwendigkeit von Medikamenten.

Takeaways:

  • F32.1 bedeutet: mittelgradige depressive Episode. Das ist eine Depression mittlerer Schwere, bei der die betroffene Person unter einer anhaltend gedrückten Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel leidet, zusammen mit mehreren weiteren Symptomen (z.B. Schlafstörungen, geringes Selbstwertgefühl).
  • Symptome: In der Regel liegen mindestens vier oder mehr depressive Symptome vor[42]. Alltägliche Aktivitäten fallen schwer, aber meist nicht völlig unmöglich – im Unterschied zur schweren Depression, wo praktisch gar nichts mehr geht. Trotzdem sind Arbeit, Haushalt und soziale Kontakte deutlich beeinträchtigt.
  • Behandlung: Eine mittelschwere Depression wird meist mit Psychotherapie oder Antidepressiva – oft auch beidem – behandelt[43]. Ergänzend helfen Selbsthilfe-Strategien wie Bewegung, Tagesstruktur und soziale Unterstützung. Je nach Person kann auch erst mal eine Psychotherapie allein versucht werden; Medikamente sind empfehlenswert, wenn die Symptome stark ausgeprägt sind oder andere Therapien nicht genug greifen.
  • Unterschied zu leicht/schwer: Im Vergleich zur leichten Depression hat F32.1 deutlich mehr Symptome (und höhere Belastung); zur schweren Depression fehlen aber extreme Merkmale wie völlige Arbeitsunfähigkeit, wahnhafte Gedanken oder ständige Suizidgefahr. Die Übergänge sind fließend – es kommt auf Anzahl und Intensität der Symptome an[44][45].

Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode

Eine mittelgradige Depression äußert sich durch mehrere gleichzeitig auftretende Symptome, die mindestens zwei Wochen lang (oft aber deutlich länger) fast jeden Tag vorhanden sind. Die Hauptsymptome einer Depression sind bei allen Schweregraden gleich:

  • Gedrückte, depressive Stimmung: Man fühlt sich die meiste Zeit traurig, hoffnungslos oder innerlich leer. Dinge, die einen früher fröhlich gemacht haben, erreichen einen kaum noch emotional.
  • Interessen- oder Freudverlust: Aktivitäten, Hobbys oder soziale Kontakte, die sonst Freude bereitet haben, erscheinen jetzt langweilig oder anstrengend. Man zieht sich zurück und hat an kaum etwas Spaß.
  • Antriebsmangel und Müdigkeit: Es fällt unglaublich schwer, sich zu etwas aufzuraffen. Schon alltägliche Aufgaben werden zu Hürden. Viele Betroffene fühlen sich ständig erschöpft, selbst ohne große Anstrengung[46].

Bei einer mittelgradigen Episode kommen zusätzliche Symptome hinzu, typischerweise vier oder mehr solcher Zusatzsymptome[42]:

  • Schlafstörungen: Häufig insbesondere Einschlafstörungen oder sehr frühes morgendliches Erwachen (sogenanntes Morgentief: man wacht z.B. zwei Stunden vor dem Wecker auf und grübelt)[47]. Manche haben aber auch vermehrtes Schlafbedürfnis – schlafen viel, fühlen sich aber trotzdem nicht erholt.
  • Appetitverlust oder -steigerung: Viele verlieren den Appetit, essen kaum noch und nehmen Gewicht ab[48]. Andere haben Heißhungerattacken (z.B. auf Süßes) – beides kann auftreten.
  • Konzentrations- und Denkprobleme: Die Fähigkeit, sich zu fokussieren, ist vermindert[49]. Bei der Arbeit oder beim Lesen schweifen die Gedanken ab oder man bekommt kaum etwas in den Kopf. Entscheidungen fallen extrem schwer (ständiges Grübeln ohne Ergebnis).
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle: Man fühlt sich wertlos, macht sich selbst Vorwürfe, hat übertriebene Schuldgedanken selbst für Dinge, für die man nichts kann[50]. Selbstkritik wird übermächtig; man nimmt sich unwichtige Fehler unheimlich übel.
  • Verzögertes Denken oder Unruhe: Einige Depressive wirken gehemmt, bewegen sich und sprechen langsamer als sonst (psychomotorische Verlangsamung). Andere sind innerlich extrem unruhig, können keine Sekunde stillsitzen (Agitiertheit)[51] – diese innere Anspannung ist ebenfalls quälend.
  • Gedanken an den Tod: In mittelschweren Episoden kann es schon zu Grübeleien kommen wie „Wozu das alles? Ich wäre lieber tot.“ – solche Suizidgedanken können auftreten[52]. Sie sind oft noch nicht so konkret oder überwältigend wie bei schweren Depressionen, aber die düsteren Gedankenkreise um den Tod oder Wunsch nach Nicht-Existenz sind Warnzeichen.

Um von einer mittelgradigen (statt leichten) Episode zu sprechen, sind in der Regel mindestens 2 der 3 Hauptsymptome + mindestens 3-4 der Zusatzsymptome vorhanden[53]. Laut ICD-10 heißt es: „Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden, und der Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.“[42]. Das fasst es gut zusammen: Bei F32.1 kommen mehrere Symptome zusammen, und sie sind so stark, dass der Alltag deutlich beeinträchtigt ist.

Auswirkungen auf den Alltag

In einer mittelgradigen depressiven Episode fühlt man sich fast den ganzen Tag niedergeschlagen, und selbst einfachste Aufgaben werden zur Herausforderung. Viele beschreiben es, als würde man ständig einen schweren Rucksack tragen oder wie in einem dunklen Loch sitzen.

  • Arbeit/Schule: Die Leistungsfähigkeit sinkt spürbar. Betroffene schleppen sich vielleicht noch zur Arbeit, schaffen aber deutlich weniger als sonst, machen mehr Fehler oder melden sich öfter krank. In der mittelgradigen Stufe kann man oft noch gewisse Pflichten erfüllen, aber nur mit großer Mühe und unter enormer innerer Anstrengung. Manche reduzieren in so einer Phase ihre Arbeitszeit oder nehmen eine Krankschreibung, um nicht komplett zu kollabieren.
  • Haushalt & Selbstfürsorge: Der Haushalt kann vernachlässigt werden – Wäsche stapelt sich, Abwasch bleibt liegen, Aufräumen kostet zu viel Kraft. Körperpflege leidet manchmal; z.B. duscht man seltener, weil selbst das wie ein Berg erscheint. Nicht aus Faulheit, sondern weil Antrieb und Motivation fehlen.
  • Sozialleben: Kontakte zu Freunden oder Familie werden oft zurückgefahren. Man zieht sich zurück, sagt Einladungen ab, weil man sich nicht in der Lage fühlt, unter Leute zu gehen oder weil man keine Freude daran empfindet. Gleichzeitig fühlt man sich vielleicht einsam – ein Teufelskreis.
  • Emotionale Belastung: Die Stimmungsschwankungen und negativen Gedanken können auch zu Reizbarkeit führen. Vielleicht reagiert man schneller genervt oder zieht sich bei Kleinigkeiten verletzt zurück, was das Umfeld nicht immer nachvollziehen kann. Viele Depressive spielen anderen tagsüber auch etwas vor (das sogenannte Lächeln nach außen), was aber enorm anstrengend ist – abends sind sie dann völlig ausgelaugt.
  • Körperliche Symptome: Depression ist nicht nur „im Kopf“. Man fühlt sich körperlich oft schlapp. Es können diffuse Schmerzen auftreten (Kopf-, Rücken-, Magenschmerzen), die medizinisch keine klare Ursache haben – sie resultieren aus der seelischen Anspannung.

Zusammengefasst: Eine mittelgradige Depression beeinträchtigt alle Lebensbereiche, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Anders als bei einer schweren Depression (wo oft gar nichts mehr geht, man z.B. den ganzen Tag im Bett liegt) können Menschen mit mittelschwerer Episode oft noch grundlegende Dinge tun – doch es kostet sie riesige Überwindung und sie funktionieren weit unter ihrem normalen Niveau. Außenstehende merken häufig, dass „etwas nicht stimmt“, auch wenn sich die Person vielleicht noch bemüht, Alltag und Fassade aufrechtzuerhalten.

Behandlung: Therapie, Medikamente und Selbsthilfe

Eine mittelgradige Depression sollte ernst genommen und behandelt werden. Ohne Behandlung besteht das Risiko, dass sie sich verlängert oder verschlimmert. Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Hilfe.

  • Psychotherapie: Für mittelschwere Depressionen wird oft als erstes eine ambulante Psychotherapie empfohlen – insbesondere, wenn derdie Betroffene offen dafür ist und keine akute Suizidgefahr besteht. Evidenzbasierte Therapieverfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie haben sich als sehr hilfreich erwiesen. In der Therapie lernst du z.B., negative Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern, Aktivität langsam wieder aufzubauen, Problemlösefertigkeiten zu verbessern und dich Schritt für Schritt aus der Lethargie zu kämpfen. Auch Interpersonelle Therapie (die sich auf Beziehungs- und Rollenkonflikte fokussiert) kann bei Depression greifen. Eine typische ambulante Therapie dauert je nach Bedarf einige Monate bis über ein Jahr (Sitzungen meist wöchentlich). Wichtig ist die Kontinuität – auch wenn es schwerfällt, dranbleiben lohnt sich. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten vollständig.
  • Medikamente (Antidepressiva): Bei mittelschweren Episoden wird oft die Einnahme eines Antidepressivums in Erwägung gezogen. Es gibt verschiedene Klassen, häufig werden moderne SSRIs oder SSNRIs verschrieben. Diese Medikamente zielen darauf ab, das chemische Gleichgewicht im Gehirn wiederherzustellen (vor allem Serotonin- und Noradrenalin-Haushalt). Ein Antidepressivum macht nicht von heute auf morgen glücklich, aber es kann über Wochen die tiefe Traurigkeit, Ängste und Antriebsarmut lindern, so dass Therapie und Alltagsbewältigung leichterfallen. In vielen Fällen einer mittelgradigen Depression empfehlen Ärzte eine Kombination: sowohl Psychotherapie als auch Medikamente[43]. Es gibt aber auch Menschen, die es zunächst nur mit Therapie versuchen – das hängt von der individuellen Situation ab. Muss man Medikamente nehmen? Nicht zwingend – aber wenn du sehr leidest oder schon länger in der Episode steckst, können sie erheblich helfen (mehr dazu im FAQ). Wichtig: Antidepressiva machen nicht abhängig und man nimmt sie meist für mindestens 6 Monate bis über die akute Phase hinaus, um Rückfälle zu verhindern.
  • Selbsthilfe und Lifestyle: Zusätzlich zur professionellen Behandlung kannst du selbst einiges tun, um die Heilung zu unterstützen: – Tagesstruktur schaffen: Versuche, einen geregelten Tagesablauf beizubehalten (oder wieder aufzubauen). Regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten, kleine Routinen – das gibt Halt. – Aktiv bleiben (in Maßen): Auch wenn es schwerfällt – leichte körperliche Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Joggen kann stimmungsaufhellend wirken. Bewegung setzt Endorphine frei. Fang klein an: 10 Minuten um den Block sind besser als nichts. Mit der Zeit steigern. – Realistische Ziele setzen: Nimm dir pro Tag ein paar überschaubare Aufgaben vor (z.B. „Duschen und Müll rausbringen“). Hak diese ab, auch wenn es banale Dinge sind – Erfolgserlebnisse, so klein sie erscheinen, helfen gegen das Gefühl der Wertlosigkeit. – Soziale Kontakte pflegen: Isolation verstärkt Depression. Versuche, zumindest mit vertrauten Menschen in Kontakt zu bleiben – ein Telefonat, eine Verabredung pro Woche. Sag deinen Freunden ruhig, dass du dich zurückgezogen hast, weil es dir schlecht geht – echte Freunde werden versuchen, dich zu verstehen und dranzubleiben. – Entspannung üben: Methoden wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Atemübungen können innere Unruhe lindern. Auch Achtsamkeitsübungen (z.B. Meditation) können helfen, Grübelgedanken etwas loszulassen. – Keine großen Entscheidungen in der akuten Phase: Wenn möglich, verschiebe lebensverändernde Entschlüsse (Job kündigen, Umzug, Beziehungsbeendigung) bis es dir besser geht. In der Depression sieht man vieles schwarz und könnte vorschnell handeln. – Selbstvorwürfe reduzieren: Mache dir bewusst: Depression ist eine Krankheit, kein persönliches Versagen. Du bist nicht faul oder schwach – du bist krank und brauchst Hilfe, so wie bei jeder anderen Erkrankung auch. Mit dieser Einstellung fällt es leichter, Hilfe anzunehmen und geduldiger mit sich zu sein.
  • Unterstützung durch Familie/Freunde: Falls du Angehöriger oder Freund bist: Informiere dich über Depression (so tust du ja schon!). Sei geduldig, biete Hilfe an, aber dränge nicht. Kleine Hilfen im Alltag (mitkochen, Erledigungen) können entlasten. Ermutige zur Therapie, falls noch nicht passiert, und signalisiere: Ich bin für dich da. Gleichzeitig achte auf deine eigenen Grenzen – auch als Helfer darf man sich Pausen nehmen.

Summa summarum: Eine mittelgradige Depression erfordert meist einen ganzheitlichen Ansatz. Es gibt nicht die eine Pille oder das eine Gespräch, das alles wegzaubert. Aber die Kombination aus professioneller Therapie, ggf. medikamentöser Unterstützung und aktiver Mitwirkung des Betroffenen im Alltag bietet eine sehr gute Prognose. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb von Monaten gut von einer solchen Episode, insbesondere wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen.

Unterschied zu leichter und schwerer Depression

Wie grenzt man nun „mittelgradig“ gegenüber „leicht“ und „schwer“ ab? Das ist wichtig, denn es beeinflusst die Behandlungsempfehlung und den Umgang.

  • Leichte depressive Episode (F32.0): Bei einer leichten Depression sind weniger Symptome vorhanden – laut Definition mindestens 2 Hauptsymptome und insgesamt 4-5 Symptome nicht überschritten. Oft sind es also z.B. gedrückte Stimmung + Antriebsmangel + 1-2 weitere Symptome (z.B. Schlafstörung und Grübeln). Die Person ist beeinträchtigt, kann aber die meisten Aktivitäten noch fortsetzen[54]. Das heißt, jemand mit leichter Depression geht meist noch zur Arbeit/Schule, wenn auch unter Anstrengung, und kann den Haushalt irgendwie stemmen. Außenstehende merken womöglich kaum etwas, außer dass die Person stiller oder trauriger wirkt. In der leichten Episode besteht oft kein ständiges Suizidrisiko, und man kann manchmal mit Unterstützung und Selbsthilfestrategien (oder kurzer Beratung) schon viel erreichen. Hier empfiehlt man oft zuerst Beratung, Aktivierung, ggf. eine kurze Psychotherapie – Medikamente werden bei rein leichten Episoden nicht immer sofort eingesetzt.
  • Schwere depressive Episode (F32.2/F32.3): Eine schwere Depression ist am anderen Ende des Spektrums. Hier liegen alle 3 Hauptsymptome vor und noch viele zusätzliche (mindestens fünf und mehr)[53]. Die Symptome sind sehr intensiv: z.B. extreme Verzweiflung, massiver Interessensverlust, fast vollständiger Antriebsausfall – die Person kommt oft gar nicht mehr aus dem Bett. Alltägliche Aktivitäten sind unmöglich[55]: Man kann weder arbeiten noch vernünftig für sich sorgen. Häufig bestehen Suizidgedanken oder -pläne und bei F32.3 sogar psychotische Symptome wie Wahnideen oder Halluzinationen (z.B. Stimmen, die einem sagen, man sei wertlos, oder der feste Glaube, unheilbar krank zu sein, obwohl man es nicht ist)[56]. Solche schweren Episoden sind akut lebensgefährlich und erfordern meist eine sofortige intensive Behandlung, oft stationär. Medikamente sind hier fast immer angezeigt, kombiniert mit engmaschiger Betreuung und Psychotherapie.

Mittelgradig (F32.1) liegt dazwischen:– Mehr Symptome und stärkere Beeinträchtigung als bei leicht, aber nicht so stark wie bei schwer.- Beispielsweise: Bei einer leichten könnte man vielleicht noch halbtags arbeiten, bei mittelgradig geht das vielleicht nur mit Ach und Krach oder man muss sich krankschreiben lassen, aber man kann noch alleine zuhause klarkommen. Bei schwerer Depression geht oft gar nichts mehr ohne Hilfe.- In F32.1 können Schuldgefühle und Suizidgedanken vorkommen, aber in F32.2 sind sie nahezu immer vorhanden und oft überwältigend[55].- Keine psychotischen Symptome bei mittelgradig – das ist ein Kennzeichen der schwersten Form (F32.3).- Bildlich gesprochen: Leicht = dunkle Brille auf, alles gedämpft; Mittel = tiefer dunkler Tunnel, man sieht kaum Licht, aber man funktioniert noch robotermäßig; Schwer = schwarze, bodenlose Tiefe, kein Licht, man ist praktisch handlungsunfähig.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Kategorien nicht scharf abgegrenzt sind. Depression verläuft auf einem Kontinuum. Zwei Ärzte können dieselbe Person teils unterschiedlich einstufen. Daher sollte man sich nicht zu sehr am Label aufhängen. Ob „mittelgradig“ oder „schwer“ – wichtig ist, dass du passende Hilfe bekommst. Bei mittelschwer und schwer wird aktive Therapie empfohlen; bei leicht je nach Situation auch.

Für dich persönlich bedeutet eine mittelgradige Episode: Deine Depression ist ernst zu nehmen, aber du hast gute Chancen, mit geeigneter Behandlung da herauszukommen und dein normales Funktionsniveau zurückzuerlangen. Es ist kein Dauerzustand – denk dran, Depressionen sind episodisch. Mit der Zeit und Unterstützung wirst du dich erholen.

FAQ: Häufige Fragen zu F32.1

Wie lange dauert eine mittelgradige depressive Episode F32.1?

Die Dauer kann individuell sehr unterschiedlich sein, aber es gibt Durchschnittswerte: Unbehandelt dauert eine depressive Episode im Schnitt etwa 6 bis 8 Monate[57]. Das gilt über alle Schweregrade hinweg. Manche mittelschwere Episoden können auch kürzer sein, andere länger. Bei einer effektiven Behandlung jedoch kann die Dauer deutlich verkürzt werden – oft auf ungefähr 3 bis 4 Monate[58]. Es gibt Studien, die zeigen, dass mit Psychotherapie/Medikation viele schon nach 12–16 Wochen aus der akuten Phase raus sind[57]. Wichtig ist: durchschnittlich. Es gibt Personen, bei denen klingt eine Episode nach vielleicht 2 Monaten ab, bei anderen dauert sie ein Jahr. Als Faustregel könnte man sagen: Mit Unterstützung hat man eine gute Chance, innerhalb eines Vierteljahres spürbar herauszukommen. Ohne Behandlung schleppen sich viele deutlich länger mit der Depression herum. Allerdings: Wenn eine Episode länger als 2 Jahre andauert, sprechen Fachleute von einem chronischen Verlauf[59]. Das ist bei mittelschweren Episoden selten, kann aber passieren, besonders wenn keine adäquate Hilfe gesucht wurde oder immer wieder Rückschläge kommen. Wichtig ist auch der Begriff der Remission: Viele erleben nach einigen Monaten eine volle Remission (Symptome sind ganz weg). Manchmal bleiben aber auch nach Abklingen der Hauptsymptome noch leichte Restsymptome bestehen (unvollständige Remission)[60]. Ziel der Behandlung ist es natürlich, dass du vollständig genesen kannst. Und selbst wenn es mal länger dauert – gib die Hoffnung nicht auf. Jede Depression geht irgendwann vorüber. Du kannst aktiv dazu beitragen, indem du Behandlung annimmst und kleine Schritte machst. Solltest du merken, dass es nach einigen Monaten keine Besserung gibt, sprich mit deinem Arzt oder Therapeuten über einen möglichen Wechsel der Strategie (z.B. andere Therapieform oder andere Medikamente). Jeder Mensch ist anders – manchmal muss man die Behandlung anpassen. Aber grundsätzlich: Monate, nicht für immer. Halte dir vor Augen, dass diese Episode ein begrenzter Lebensabschnitt ist, kein Endzustand.

Muss ich Medikamente nehmen bei einer mittelschweren Depression?

Nein, ein Muss ist es nicht – aber es kann sehr hilfreich sein. Bei einer mittelgradigen Depression liegen bereits deutliche Beschwerden vor, und die Leitlinien empfehlen hier in der Regel Psychotherapie und/oder medikamentöse Behandlung[43]. Das bedeutet: Du hast Optionen. Viele Ärztinnen schlagen vor, beides zu kombinieren, weil Studien zeigen, dass Kombi-Therapien oft am effektivsten sind. Aber wenn du starke Vorbehalte gegen Antidepressiva hast, kannst du (in Absprache mit dem Arzt) erstmal mit Psychotherapie alleine starten. Manche Menschen kommen damit gut zurecht, vor allem wenn die Depression z.B. durch konkrete Auslöser verständlich ist und sie noch genug Kraft haben, aktiv in der Therapie mitzuarbeiten. Wann sind Medikamente besonders angeraten? Wenn deine Symptome sehr ausgeprägt sind – z.B. du hast ausgeprägte Schlaflosigkeit, Suizidgedanken oder kommst überhaupt nicht mehr in Gang – dann können Antidepressiva das nötige „Fundament“ schaffen, damit es dir überhaupt wieder besser gehen kann. Sie stabilisieren die biologischen Faktoren der Depression, während die Therapie an den psychologischen arbeitet. Du musst keine Angst vor Antidepressiva haben: Sie machen nicht high, verändern nicht deine Persönlichkeit, sondern holen dich aus dem tiefsten Loch etwas heraus, damit du an dir arbeiten kannst. Viele haben Sorge vor Nebenwirkungen – ja, die gibt es (Müdigkeit, Übelkeit, Libido-Abnahme etc. kommen vor), aber oft sind sie milde und vorübergehend. Und es gibt viele verschiedene Präparate; wenn eins nicht passt, kann man wechseln. Kurz gesagt: Du musst nicht, es ist deine Entscheidung. Doch du solltest dich fragen: Lehnst du Medikamente aus Prinzip ab, oder weil du Bedenken hast? Sprich offen mit deinem Arzt darüber. Vielleicht ist ein Kompromiss: „Ich probiere es 4-6 Wochen nur mit Therapie und Selbsthilfe. Wenn es dann keine Besserung gibt, bin ich bereit, ein Medikament dazuzunehmen.“ Das ist vernünftig. Oder umgekehrt: „Ich nehme erstmal ein Medikament, um überhaupt Kraft für Therapie zu haben, und mache parallel oder etwas später die Psychotherapie.“ Alles valide Wege. Wichtig ist, dass irgendwas passiert – nicht untätig bleiben. Und denke daran: Antidepressiva sind kein Zeichen von Schwäche, sondern können so wie ein Gips bei gebrochenem Bein helfen, dass etwas heilen kann. Aber die aktive Reha (Therapie) brauchst du trotzdem. Viele mit mittelschwerer Depression kommen mit Psychotherapie allein zurecht, viele mit Kombination – das muss individuell entschieden werden. Höre auf die Empfehlungen der Fachleute, aber am Ende gilt: Dein Körper, deine Entscheidung.* Scheue dich aber nicht, eine Behandlung zu nutzen, die erwiesenermaßen Millionen geholfen hat, nur aus Scham oder falschem Stolz. Letztlich willst du ja gesund werden – und da ist jedes Hilfsmittel willkommen.