Endometriose oder Adenomyose? Die Unterschiede einfach erklärt
Endometriose und Adenomyose werden oft verwechselt — obwohl sie sich klar unterscheiden. Wo das Gewebe sitzt, welche Symptome jeweils typisch sind und wie

Endometriose und Adenomyose werden häufig verwechselt — manchmal sogar in der Sprechstunde. Beide Erkrankungen verursachen ähnliche Symptome (Schmerzen, starke Blutungen, Zyklusprobleme), aber sie sind medizinisch und anatomisch klar verschieden. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede in einfacher Sprache und hilft dir, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt die richtigen Fragen zu stellen.
Die einfache Definition beider Erkrankungen
Der wichtigste Unterschied liegt darin, wo das endometriumartige Gewebe wächst:
- Endometriose: Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, wächst außerhalb der Gebärmutter — zum Beispiel an den Eierstöcken, Eileitern, am Bauchfell oder am Darm.
- Adenomyose: Ähnliches Gewebe wächst innerhalb der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Es bleibt also im Organ, aber an einer Stelle, wo es nicht hingehört.
Beide reagieren auf Hormone und verursachen Entzündungen, Vernarbungen und Schmerzen. Was sie anatomisch unterscheidet, hat aber direkte Folgen für Symptome, Diagnose und Behandlung.
Für die Grundlagen zu Endometriose lies unseren vollständigen Leitfaden zur Endometriose.
Wie sich die Symptome unterscheiden
Es gibt eine erhebliche Überlappung der Symptome — deshalb ist die Verwechslung so häufig. Aber typische Muster lassen sich identifizieren:
Typischer für Endometriose:
- Zyklisch wiederkehrende Beckenschmerzen (Schmerzen vor und während der Periode)
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie), oft tief im Bauchraum
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen während der Periode
- Schmerzen außerhalb der Periode
- Häufiger mit Fruchtbarkeitsproblemen verbunden
Typischer für Adenomyose:
- Sehr starke, lange anhaltende Menstruationsblutungen
- Diffuse, kräftige Schmerzen während der Periode („die ganze Gebärmutter tut weh“)
- Vergrößerte, druckempfindliche Gebärmutter
- Blähgefühl und Druck im Unterbauch
- Oft bei älteren Personen (30er und 40er) und bei Personen, die schon geboren haben
Eine vollständige Symptomliste zu Endometriose findest du im Artikel Endometriose Symptome — vollständige Liste der Anzeichen.
Können Endometriose und Adenomyose gemeinsam auftreten?
Ja — und das ist häufiger als angenommen. Studien zeigen, dass 20–80 % der Personen mit Endometriose auch Adenomyose haben, je nach untersuchter Population. Diese Co-Erkrankung wird oft erst durch bildgebende Verfahren (vor allem MRT) erkannt.
Wenn du eine Endometriose-Diagnose hast und deine Symptome trotz Behandlung nicht gut auf die Therapie ansprechen, lohnt es sich, gezielt nach Adenomyose zu fragen — sie wird oft übersehen.
Wie wird der Unterschied diagnostiziert?
Die diagnostischen Werkzeuge überschneiden sich, haben aber unterschiedliche Stärken:
Transvaginaler Ultraschall ist die erste bildgebende Untersuchung. Er erkennt Endometriome (Schokoladenzysten) und kann typische Adenomyose-Zeichen zeigen (verdickte Gebärmuttermuskulatur, zystische Bereiche im Myometrium).
MRT ist besonders gut, um Adenomyose zu bestätigen und tief infiltrierende Endometriose zu erkennen. Für die Unterscheidung zwischen beiden Erkrankungen ist MRT oft das aussagekräftigste Verfahren.
Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist Goldstandard für Endometriose-Diagnose, sieht aber Adenomyose nicht direkt — dafür wäre eine Gewebeprobe aus der Gebärmuttermuskulatur nötig (nur in Ausnahmefällen sinnvoll).
Mehr zum Diagnoseweg liest du in Wie wird Endometriose diagnostiziert?.
Wie unterscheidet sich die Behandlung?
Viele Behandlungsoptionen überschneiden sich, weil beide Erkrankungen hormonell beeinflusst werden:
- Hormonelle Therapie (durchgängig eingenommene Pille, Gestagene, Hormonspirale) wirkt bei beiden Erkrankungen
- NSAR (Ibuprofen etc.) bei beiden zur Schmerzlinderung
- Operative Optionen unterscheiden sich: Endometriose wird laparoskopisch durch Entfernung der Herde behandelt. Adenomyose betrifft die Gebärmutter selbst — hier kommen eingeschränkt fokale Resektion oder als letzte Option eine Hysterektomie in Frage.
Für einen breiteren Überblick über die Endometriose-Therapie lies Endometriose Behandlung.
Was bedeutet das für deine Diagnose?
Wenn du dich in den Symptomen wiedererkennst, ist die wichtigste Information: Beide Erkrankungen sind real, behandelbar und keine Einbildung. Die Verwechslung in der Sprechstunde sollte dich nicht dazu bringen, deine Schmerzen kleinzureden.
Konkrete nächste Schritte:
- Notiere mindestens 2–3 Zyklen lang täglich deine Symptome — Schmerzart, Schmerzort, Schmerzintensität, Bezug zum Zyklus.
- Nimm den kostenlosen Symptomtest, um dein Muster strukturiert einzuordnen.
- Bitte gezielt um eine Bildgebung (Ultraschall, ggf. MRT) und um Beurteilung sowohl auf Endometriose als auch auf Adenomyose.
- Wenn deine Symptome trotz Behandlung anhalten, frage nach einer zweiten Meinung in einem zertifizierten Endometriose-Zentrum.
Häufige Fragen
Ist Adenomyose schlimmer als Endometriose?
Keines von beiden ist generell „schlimmer“ — die Schwere hängt von der individuellen Ausprägung, dem Schmerzempfinden und der Reaktion auf Behandlung ab. Adenomyose verursacht oft stärkere Menstruationsblutungen, während Endometriose häufiger zyklusunabhängige Schmerzen und Fruchtbarkeitsprobleme verursacht. Beide können die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Kann Adenomyose Unfruchtbarkeit verursachen?
Ja, Adenomyose kann die Einnistung erschweren und das Risiko für Frühgeburten erhöhen. Bei Kinderwunsch sollte sie deshalb frühzeitig in einem spezialisierten Zentrum abgeklärt werden, besonders wenn auch Endometriose vorliegt.
Kann eine Hysterektomie Adenomyose heilen?
Bei Adenomyose ist die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) die einzige definitive Heilung, weil die Erkrankung in der Gebärmuttermuskulatur sitzt. Sie ist aber nicht die erste Wahl — hormonelle Therapien können die Symptome meist gut kontrollieren. Eine Hysterektomie wird typischerweise nur bei abgeschlossener Familienplanung und unzureichender konservativer Therapie erwogen.
Wie wird Adenomyose von normalen Gebärmutter-Myomen unterschieden?
Myome sind gutartige Muskelknoten, die als abgegrenzte Tumoren in der Gebärmutter wachsen. Adenomyose ist diffuse Verdickung der Gebärmuttermuskulatur durch eingewachsenes Schleimhautgewebe. Im Ultraschall oder MRT sieht beides unterschiedlich aus, und die Symptome unterscheiden sich — Myome verursachen oft Druckgefühl und starke Blutungen, Adenomyose eher diffuse Schmerzen plus starke Blutungen.
Quellen
- European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Endometriosis Guideline. 2022.
- AWMF S2k-Leitlinie 015–045. Diagnostik und Therapie der Endometriose. 2020.
- Vannuccini S, Petraglia F. Recent advances in understanding and managing adenomyosis. F1000Res 2019;8:283.
- Chapron C et al. Diagnosing adenomyosis: an integrated clinical and imaging approach. Hum Reprod Update 2020;26(3):392–411.