Depression Test – wie Online-Selbsttests funktionieren und was sie aussagen
Wie zuverlässig sind Online-Depressionstests? Erfahre, was sie leisten, worauf du achten solltest und warum ein Profi wichtig bleibt.
Ein Depressionstest im Internet kann eine erste Orientierung bieten, ob bei dir Anzeichen einer Depression vorliegen. Solche Selbsttests bestehen aus Fragen zu typischen Symptomen und sollen dir helfen einzuschätzen, ob du möglicherweise depressiv bist. Wichtig ist jedoch: Kein Online-Test kann eine echte Diagnose ersetzen. In diesem Artikel erfährst du, was ein Depression-Selbsttest eigentlich misst, welche Fragen darin typischerweise gestellt werden und wie du die Ergebnisse verstehen solltest. Außerdem erklären wir, warum trotz eines Tests eine ärztliche Abklärung unverzichtbar ist. In den FAQ beantworten wir, wo du seriöse Tests findest und was du tun solltest, wenn dein Testergebnis positiv ausfällt.
- Inhalt eines Depressionstests: Meist werden Fragen gestellt, die typische Depressionssymptome abklopfen – z.B. Stimmung, Antrieb, Schlaf, Appetit, Konzentration und Gedankenwelt[49]. So wird erfasst, ob depressive Anzeichen vorliegen.
- Typische Fragen: Selbsttests fragen etwa „Fühlst du dich oft niedergeschlagen?“ oder „Hast du Interesse an früheren Hobbys verloren?“. Auch nach Schlafstörungen, Erschöpfung, Selbstwertgefühl und Suizidgedanken wird in seriösen Tests gefragt[50].
- Ergebnis und Bedeutung: Aus deinen Antworten errechnet der Test einen Punktwert. Dieser wird meist Kategorien zugeordnet (z.B. keine, leichte, mittelschwere oder schwere depressive Symptomatik)[51]. Das Ergebnis liefert nur einen Hinweis, aber keine Diagnose. Es zeigt, ob du Anhaltspunkte für eine Depression hast.
- Keine Diagnosestellung online: Ein Selbsttest kann keine ärztliche oder psychologische Beurteilung ersetzen[52]. Er berücksichtigt nicht alle persönlichen Faktoren. Darum sollte bei auffälligem Testergebnis immer ein Fachgespräch folgen.
- Ärztliche Abklärung wichtig: Nur Profis können sicher feststellen, ob wirklich eine Depression vorliegt oder ob andere Ursachen (z.B. körperliche Krankheiten) die Symptome erklären. Außerdem können sie dir im Falle einer Depression die richtige Behandlung empfehlen.
Was misst ein Depressionstest?
Ein Depressionstest (online oder in Zeitschriften) ist in der Regel ein standardisierter Fragenkatalog, der typische Symptome einer Depression erfasst. Das bekannteste Instrument dafür ist der PHQ-9 Fragebogen – neun Fragen, die auf international anerkannten Diagnosekriterien basieren[53]. Solche Tests messen die Häufigkeit und Schwere von Depressionssymptomen, indem sie dich fragen, wie oft bestimmte Probleme in den letzten zwei Wochen bei dir aufgetreten sind.
Konkret deckt ein seriöser Depressionstest folgende Bereiche ab[49]:
- Stimmung: Fühlst du dich anhaltend traurig, niedergeschlagen oder hoffnungslos?
- Interessenverlust: Hast du deutlich weniger Freude an Aktivitäten, die dir früher Spaß gemacht haben?
- Antrieb/Energie: Bist du ungewöhnlich müde oder antriebslos, selbst für alltägliche Dinge?
- Schlafverhalten: Hast du Schlafstörungen – Einschlafprobleme, unruhigen Schlaf oder schläfst du viel mehr/weniger als sonst?
- Appetit/Gewicht: Ist dein Appetit verändert (vermindert oder verstärkt)? Hast du ohne bewusste Diät ab- oder zugenommen?
- Konzentration: Kannst du dich schlecht konzentrieren, z.B. beim Lesen oder Fernsehen?
- Selbstwertgefühl: Plagen dich Gefühle von Versagen, Wertlosigkeit oder übermäßige Schuldgefühle?
- Verzögerte oder unruhige Motorik: Fühlst du dich oft innerlich unruhig und aufgewühlt – oder im Gegenteil, bewegst und sprichst du viel langsamer als sonst, so dass es anderen auffällt?
- Suizidale Gedanken: Hast du Gedanken daran, lieber tot zu sein oder dir weh zu tun?
All diese Punkte sind Kernsymptome oder typische Begleiterscheinungen einer Depression[50]. Ein Depressionstest versucht also, möglichst viele dieser Aspekte abzudecken. Jede Frage zielt auf ein Symptom ab.
Du gibst bei den Fragen meist an, wie häufig dich das Symptom in den letzten zwei Wochen gestört hat – z.B. „überhaupt nicht“, „an einigen Tagen“, „an mehr als der Hälfte der Tage“ oder „beinahe jeden Tag“. Dadurch kann der Test nicht nur erfassen, ob ein Symptom da ist, sondern auch wie stark es dich beeinträchtigt.
Am Ende werden die Punkte aus allen Fragen zusammengerechnet. Je höher die Punktzahl, desto mehr Anzeichen einer Depression liegen vor. Allerdings gibt es dabei keine perfekte Genauigkeit – der Test misst nur, was du angegeben hast. Faktoren wie Ehrlichkeit, Tagesform oder Verständnis der Fragen können das Ergebnis beeinflussen. Trotzdem geben diese Tests oft eine brauchbare erste Einschätzung, ob eine Depression möglich ist.
Wichtig zu betonen: Ein Depressionstest misst Hinweise auf eine Depression, keine Gewissheit. Er ist ein Screening-Werkzeug, das anzeigen kann „Hier könnte ein Problem sein“. Die endgültige Bewertung muss immer ein Profi vornehmen.
Typische Fragen in Online-Selbsttests
Online-Depressionstests verwenden Fragen, die direkt oder indirekt nach den oben genannten Symptomen fragen. Hier sind ein paar typische Fragen, die du in einem seriösen Depressionstest (z.B. basierend auf dem PHQ-9) finden könntest:
- Stimmung: „Hast du dich in den letzten zwei Wochen häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos gefühlt?“[54]
- Interessenverlust: „Hattest du in den letzten zwei Wochen deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die du sonst gerne tust?“[54]
- Antrieb/Energie: „Bist du in letzter Zeit ungewöhnlich müde und kraftlos, selbst nach ausreichendem Schlaf?“
- Schlaf: „Hast du Probleme mit dem Schlafen (Schwierigkeiten einzuschlafen, durchzuschlafen oder vermehrtes Schlafbedürfnis)?“[55]
- Appetit: „Hattest du in letzter Zeit deutlich weniger Appetit oder Phasen von übermäßigem Essen aufgrund deiner Stimmung?“[56]
- Konzentration: „Fällt es dir schwer, dich auf Aufgaben zu konzentrieren – selbst auf Dinge wie Lesen oder Fernsehen?“[57]
- Selbstwert: „Hast du das Gefühl, ein Versager zu sein oder die Menschen in deinem Umfeld enttäuscht zu haben?“[58]
- Motorik: „Warst du in den letzten Wochen entweder ungewöhnlich unruhig (konntest kaum still sitzen) oder deutlich verlangsamt in deinen Bewegungen und deiner Sprache?“[59]
- Suizidgedanken: „Hattest du Gedanken daran, dass du lieber tot wärst oder dir selbst wehtun möchtest?“[60]
Die genaue Formulierung kann variieren, aber alle seriösen Tests werden diese Kernbereiche abdecken[50]. Oft werden die Fragen in Alltagssprache gestellt, damit sie leicht verständlich sind. Manche Tests (wie der PHQ-9) formulieren die Fragen in der Ich-Form („Ich hatte wenig Interesse oder Freude an meinen Tätigkeiten.“ – Trifft zu: gar nicht / an einigen Tagen / …).
Ein Online-Test läuft meist so ab, dass du jede Frage beantwortest, dann auf „Weiter“ klickst, bis alle Fragen durch sind. Manchmal werden auch alle Fragen auf einer Seite angezeigt. Wichtig ist, ehrlich und spontan zu antworten – was deinem Gefühl in den letzten Wochen am besten entspricht. Es gibt kein richtig oder falsch, da es ja um deine Empfindungen geht.
Nachdem du alle Fragen beantwortet hast, wird dein Ergebnis berechnet und direkt angezeigt. Typischerweise siehst du dann eine Auswertung, z.B: „Ihre Punktzahl beträgt 12 von 27. Das spricht für mittelschwere Depressionsanzeichen.“ Es kann auch eine Empfehlung dabei stehen wie „Bitte wenden Sie sich für eine genaue Abklärung an einen Arzt.“
Behalte im Hinterkopf: Ein hoher Wert im Test heißt nicht automatisch, dass du klinisch depressiv bist – aber es ist ein deutlicher Hinweis, dem du nachgehen solltest. Ebenso bedeutet ein sehr niedriger Wert nicht automatisch, dass alles okay ist, falls du dich dennoch schlecht fühlst. Die Fragen sind standardisiert und können nicht jede individuelle Lebenslage abbilden.
Was die Ergebnisse bedeuten können
Das Ergebnis eines Depressionstests wird meistens als Summenwert oder als Kategorie dargestellt. Wie schon erwähnt, ergibt sich aus deinen Antworten ein bestimmter Punktwert. Je höher die Punktzahl, desto wahrscheinlicher und ausgeprägter sind depressive Symptome vorhanden[51].
Zur Einordnung werden oft folgende Kategorien genutzt (beispielhaft für PHQ-9, der max. 27 Punkte hat):
- 0–4 Punkte: Keine oder minimale Depressionsanzeichen.
- 5–9 Punkte: Leichte Depressionssymptomatik möglich.
- 10–14 Punkte: Mittelgradige Depressionsanzeichen (moderate Ausprägung).
- 15–19 Punkte: Recht deutliche (mittel-schwere) Depressionssymptome.
- 20+ Punkte: Schwere Depressionssymptomatik.
Die genauen Schwellen können je nach Test geringfügig abweichen, aber im Prinzip teilt der Test dein Ergebnis in „unauffällig“ oder verschiedene Schweregrade ein[51]. Oft wird in der Auswertung auch wörtlich beschrieben, was das bedeutet – z.B. „Die Ergebnisse deuten auf das Vorliegen einer leichten Depression hin.“ oder „Ihre Antworten lassen vermuten, dass Sie an einer schweren Depression leiden könnten.“
Hier ist ganz entscheidend: „Deuten auf… hin“, „lassen vermuten“, „könnten vorliegen“ – solch vorsichtige Formulierungen zeigen, dass es keine definitive Diagnose ist[61][62]. Der Test kann keine Depression diagnostizieren, er kann nur Hinweise geben. Warum? Weil eine korrekte Diagnose viel mehr erfordert als einen Fragebogen:
- Erstens könnte man beim Ausfüllen unbewusst Dinge über- oder untertreiben. Vielleicht hattest du einen schlechten Tag und bewertest alles negativer, als es im Schnitt der letzten Wochen war. Oder du neigst dazu, Symptome herunterzuspielen. Ein Arzt würde durch Nachfragen ein klareres Bild gewinnen.
- Zweitens erfasst der Test nicht deine gesamte Lebenssituation. Möglicherweise hast du hohe Punktzahlen, aber es steckt vor allem eine andere Ursache dahinter (z.B. eine Angststörung, ein Burn-out oder ein körperliches Problem wie Schilddrüsenunterfunktion kann ähnliche Symptome machen).
- Drittens liefert der Test kein Warum und keinen individuellen Kontext. Zwei Menschen können 15 Punkte erzielen – beim einen liegt eine beginnende Depression vor, beim anderen vielleicht eine Trauerreaktion nach einem Verlust. Die Einordnung kann nur in einem persönlichen Gespräch erfolgen.
Trotz dieser Einschränkungen kann ein Selbsttest-Ergebnis sehr wertvoll sein: Es holt sozusagen das unspezifische Unwohlsein ins Bewusstsein und benennt es. Viele fühlen sich erleichtert oder auch erschrocken, wenn der Test z.B. „mittelschwere Depression“ anzeigt – erleichtert, weil sie ihr Empfinden ernst genommen sehen; erschrocken, weil man „es doch nicht für möglich hielt“. Beides kann den Anstoß geben, aktiv zu werden und sich Hilfe zu suchen.
Noch einmal klar gesagt: Ein positives Testergebnis (hohe Punktzahl) bedeutet, dass du signifikante Anzeichen einer Depression hast – nicht unbedingt, dass du sicher depressiv bist. Es ist aber ein starker Hinweis und sollte ernst genommen werden. Ein negatives Testergebnis (niedrige Punktzahl) bedeutet, dass derzeit wenig auf eine Depression hindeutet. Doch auch das ist kein endgültiger Beweis. Wenn du trotzdem das Gefühl hast, etwas stimmt nicht, vertrau deinem Gefühl und beobachte es weiter oder hol dir eine fachliche Meinung ein.
Am Ende sind Online-Tests Tools zur Orientierung, nicht zur Diagnose. Sie können dir helfen einzuschätzen, ob es sinnvoll ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Was du mit dem Ergebnis machst, ist der eigentlich entscheidende Schritt – und dazu im nächsten Abschnitt mehr.
Warum ärztliche Abklärung wichtig ist
Egal, was ein Selbsttest ergibt: Wenn der Verdacht auf eine Depression im Raum steht – oder du dich einfach schon länger deutlich belastet fühlst – solltest du eine ärztliche bzw. therapeutische Abklärung durchführen lassen. Warum ist das so wichtig?
- Genauigkeit der Diagnose: Ein Arzt oder Psychotherapeut kann in einem ausführlichen Gespräch viel gezielter herausfinden, was mit dir los ist. Er oder sie wird Fragen stellen, die über den Fragebogen hinausgehen: Seit wann fühlst du dich so? Gab es Auslöser? Wie ist deine Lebenssituation? Gibt es körperliche Symptome? Hattest du sowas schon mal? Durch dieses Gespräch (Anamnese) kann eine fundierte Einschätzung erfolgen, ob tatsächlich eine Depression vorliegt und welcher Art bzw. Schwere sie ist[62]. Manchmal stellen sich dabei auch andere oder zusätzliche Diagnosen heraus (z.B. Angststörung, Bipolare Störung etc.), was für die Behandlung wichtig ist.
- Ausschluss körperlicher Ursachen: Einige körperliche Erkrankungen können depressive Symptome verursachen – zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion, Vitaminmangel, gewisse neurologische Erkrankungen oder auch Nebenwirkungen von Medikamenten. Ein Arzt wird ggf. körperliche Untersuchungen oder Bluttests machen, um solche Ursachen auszuschließen[63]. Ein Online-Test kann das natürlich nicht leisten. Daher ist es wichtig, medizinisch abzuklären, ob nicht etwas anderes hinter deiner Niedergeschlagenheit steckt.
- Gemeinsame Besprechung des weiteren Vorgehens: Falls sich bestätigt, dass du eine Depression hast, wird mit dir zusammen entschieden, wie behandelt werden soll. Bei leichten depressiven Verstimmungen reicht manchmal schon Beratung, Selbsthilfe oder eine kurze Zeit abzuwarten (unter Beobachtung). Bei mittelschweren Depressionen empfiehlt man in der Regel eine Psychotherapie oder auch Medikamente[64]. Bei schweren Depressionen ist oft eine Kombination aus Therapie und Antidepressiva nötig[65]. Diese Entscheidungen müssen individuell und in Absprache mit einem Fachmann getroffen werden. Ein Internet-Test kann keine Therapieempfehlung geben.
- Soforthilfe bei Bedarf: Sollte es dir sehr schlecht gehen (z.B. bei Suizidgedanken), kann ein Arzt oder Psychiater sofort Maßnahmen ergreifen – etwa dich krankschreiben, engmaschig betreuen oder in einer akuten Krise sogar einen Klinikaufenthalt vorschlagen. Selbsttests haben keine Alarmfunktion, sie können dich in einer akuten Krise nicht schützen. Deshalb: Wenn es dir extrem schlecht geht, nicht erst online testen, sondern direkt Hilfe holen.
- Psychologischer Effekt: Manchmal braucht es die Bestätigung von außen, um etwas anzugehen. Wenn ein Arzt dir sagt „Sie haben eine Depression, und das ist nichts Ungewöhnliches – wir kriegen das behandelt“, dann kann das sehr entlastend sein. Es legitimiert dein Empfinden und gibt dir einen Fahrplan, was zu tun ist. Mit einem anonymen Testergebnis alleine fühlen sich manche eher ratlos („Okay, möglicherweise Depression – und jetzt?“). Die professionelle Abklärung schließt diese Lücke und leitet über in konkrete Hilfe.
Du siehst also, ein Fachgespräch hat viele Vorteile. Es ist verständlich, dass es einem mulmig sein kann, „zum Arzt zu gehen wegen sowas“. Vielleicht hast du Bedenken, du könntest nicht ernst genommen werden, oder du schämst dich, über deine seelischen Probleme zu sprechen. Versuche dir klarzumachen: Depressionen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen, Ärzte und Therapeuten sind darauf spezialisiert und du bist bei ihnen an der richtigen Adresse – genauso wie mit körperlichen Schmerzen gehst du mit seelischen Schmerzen hin.
Noch ein praktischer Hinweis: Du kannst zunächst zum Hausarzt gehen. Viele Hausärzte kennen sich gut mit der Erstdiagnose von Depression aus und können dich ggf. weitervermitteln. Alternativ kannst du direkt einen Psychotherapeuten kontaktieren (allerdings gibt es da oft Wartezeiten) oder einen Facharzt für Psychiatrie aufsuchen. In jedem Fall: Lass dich nicht von einem Testergebnis allein „diagnostizieren“. Nutze es als Anstoß, aber hol dir eine qualifizierte Meinung.
Es ist keine Übertreibung zu sagen: Eine rechtzeitige fachliche Abklärung kann dir vielleicht Monate unnötigen Leidens ersparen. Je früher eine Depression erkannt wird, desto schneller kann es dir mit der richtigen Hilfe besser gehen. Und falls keine Depression vorliegt, hast du zumindest Gewissheit und kannst ggf. andere Schritte gehen, um dich wieder wohlzufühlen.
Merke: Ein Online-Test ist der Auftakt, nicht das Ende. Den tatsächlichen „Check-up“ deiner psychischen Gesundheit übernimmt am besten ein Profi. Scheue dich nicht, diesen Schritt zu machen – er ist absolut üblich und sinnvoll.
FAQ: Depression Test
Wo finde ich seriöse Tests?
Seriöse Depressionstests findest du vor allem auf Webseiten von offiziellen Gesundheitsorganisationen oder anerkannten Gesundheitsportalen. Ein paar Anlaufstellen:
- Krankenkassen und Gesundheitsportale: Viele Krankenkassen (z.B. AOK, Barmer, TK) bieten Online-Selbsttests für Depression an. Auch unabhängige Portale wie NetDoktor, Onmeda oder die Apotheken Umschau haben solche Tests. Diese basieren oft auf wissenschaftlich erprobten Fragebögen (wie dem PHQ-9) und sind anonym sowie kostenlos[66].
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Die Stiftung bietet auf ihrer Webseite zwar keinen direkten Test an, aber verweist auf Hilfsangebote. Indirekt kannst du über deren Seiten aber zu seriösen Tests oder Hilfetools gelangen (z.B. das Programm iFightDepression).
- Psychiatrische Kliniken und Fachverbände: Manche Kliniken (wie beispielsweise die Schlosspark-Klinik Dirmstein) haben Selbsttests online[66]. Auch Verbände wie „Neurologen und Psychiater im Netz“ stellen Selbsttest-Fragen zur Verfügung. Achte darauf, dass der Test auf anerkannten Fragen beruht – häufig wird explizit erwähnt, wenn der PHQ-9 Fragebogen eingesetzt wird, was ein gutes Zeichen für wissenschaftliche Fundiertheit ist[53].
- Mental Health Organisationen: International gibt es Tests von Organisationen wie der WHO-5 Wohlbefindens-Test oder Fragebögen von Mental Health America (letzteres eher auf Englisch). Für den deutschsprachigen Raum sind jedoch die erstgenannten Quellen vorzuziehen.
Woran erkennst du einen seriösen Selbsttest? Ein paar Kriterien:
- Er fragt mehrere der typischen Symptome ab (nicht nur zwei, drei Fragen).
- Am Ende wird deutlich darauf hingewiesen, dass der Test keine Diagnose ersetzt und bei Auffälligkeiten ein Arzt aufgesucht werden soll[66].
- Der Test ist datensparsam (keine Registrierung nötig, Ergebnisse werden nicht gespeichert).
- Idealerweise basiert er auf einem bekannten Fragebogen (PHQ-9, WHO-5 oder Ähnliches – oft steht das in der Beschreibung des Tests dabei).
- Er stammt von einer glaubwürdigen Quelle (Uni, Klinik, Krankenkasse, etabliertes Gesundheitsportal und nicht irgendein Forum oder Blog ohne Impressum).
Vermeide Tests auf dubiosen Webseiten oder Social-Media-Quizzes vom Typ „Bist du depressiv? Mach den Test!“, die nicht erklären, worauf sie basieren. Diese sind oft unzuverlässig und verunsichern mehr, als dass sie helfen.
Ein Tipp: Wenn du unsicher bist, frag deinen Hausarzt oder schau auf den Webseiten der Gesundheitsämter – manchmal verlinken auch offizielle Stellen auf Self-Assessment-Tools. Letztlich kann aber auch ein guter alter Fragebogen beim Arzt vor Ort gemacht werden. Das Instrument ist meist das gleiche – online ist es nur bequemer und schneller verfügbar.
Was passiert nach einem positiven Ergebnis?
Ein „positives“ Ergebnis heißt in diesem Zusammenhang, dass der Test deutliche Hinweise auf eine Depression ergeben hat (also im Ergebnis stand etwa „mittelschwere oder schwere depressive Symptomatik“). Zunächst einmal: Keine Panik! Das ist ein wichtiger Hinweis, den du ernst nehmen solltest, aber es ist auch der erste Schritt zur Besserung, denn jetzt weißt du, dass Handlungsbedarf besteht.
Das Beste, was du nun tun kannst, ist einen Termin bei einer Ärztin oder einem Therapeuten zu vereinbaren[67]. Als erstes bietet sich meistens die Hausarztpraxis an. Sag dort, dass du den Verdacht auf eine Depression hast – viele Hausärzte kennen solche Selbsttests und nehmen deine Schilderung ernst. Der Hausarzt kann dann eine erste Einschätzung machen und dich gegebenenfalls zu einem Facharzt (Psychiater) oder Psychotherapeuten überweisen.
Beim Arzt oder Therapeuten wird man mit dir über deine Beschwerden sprechen (siehe auch den Abschnitt zur ärztlichen Abklärung oben). Eventuell lässt der Arzt dich auch nochmal einen Fragebogen ausfüllen – manchmal sogar genau den gleichen – um das Ergebnis zu bestätigen. Danach wird besprochen, welche Behandlungsschritte sinnvoll sind. Das könnten z.B. regelmäßige Psychotherapie-Sitzungen sein, in manchen Fällen auch eine medikamentöse Unterstützung. Du wirst umfassend aufgeklärt, was eine Depression bedeutet und wie man sie gut behandeln kann.
Wichtig: Ein positives Testergebnis bedeutet nicht, dass “alles vorbei” ist oder dass du unbedingt schwere Medikamente nehmen musst. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln, und die Erfolgsquote ist hoch. Je nach Schweregrad kann schon eine Gesprächstherapie, mehr Bewegung oder eine vorübergehende Auszeit helfen. Lass dich da von den Fachleuten beraten.
Solltest du dich vor dem Arzttermin weiter verschlechtern (z.B. verzweifelter werden oder Suizidgedanken entwickeln), zögere nicht, dir sofort Hilfe zu suchen – in diesem Fall direkt bei einer psychiatrischen Klinik oder dem Notdienst. Aber in den meisten Fällen kann man den Termin abwarten und dann Schritt für Schritt vorgehen.
Falls das Testergebnis knapp positiv war (z.B. im Bereich einer leichten Depression) und du unsicher bist, könntest du auch zunächst ein Gespräch bei einer psychologischen Beratungsstelle führen. Es gibt z.B. psychosoziale Beratungszentren oder Hilfetelefone, wo du dein Ergebnis besprechen kannst. Diese Stellen können dich ebenfalls ermutigen und dir sagen, ob ein Arztbesuch ratsam ist.
Generell jedoch gilt: Nach einem auffälligen Selbsttest sollte immer ein Profi draufschauen. Selbst wenn du dich gerade noch irgendwie ok fühlst, ist es gut, frühzeitig anzuklopfen. Es verpflichtet dich ja zu nichts – aber du bekommst eine qualifizierte Rückmeldung.
Manche machen sich Sorgen: „Was ist, wenn der Arzt mich nicht ernst nimmt, weil ich ja noch funktioniere?“ – Gute Ärzte wissen, dass man auch mit Job und Familie depressiv sein kann (siehe hochfunktionale Depression oben). Trau dich offen zu sein. Sag ruhig, dass du einen Test gemacht hast und was dabei rauskam. Das hilft dem Arzt, deine Lage einzuschätzen.
Zusammengefasst: Nach positivem Test Ergebnis = nächsten Schritt gehen. Dieser Schritt ist in der Regel der Gang zum Arzt oder Therapeuten. Dort bekommst du eine eindeutige Diagnose und wirst beraten, wie es weitergeht. Denk daran, dass ein Test zwar ein starkes Indiz liefert, aber die genaue Einordnung und Begleitung durch Menschen erfolgen sollte, die sich damit auskennen. Mit Unterstützung kommst du aus einer Depression meist viel schneller und besser heraus, als wenn du alleine damit bleibst.
Du hast den wichtigen Schritt getan, das Problem zu erkennen – jetzt geht es darum, dir auch helfen zu lassen. Hab Mut, es lohnt sich für dein Wohlbefinden! Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und du bist ihn bereits gegangen, indem du den Test gemacht hast. Jetzt folge durch die Tür, die sich geöffnet hat, und hol dir die Hilfe, die du verdienst. Du bist damit keineswegs allein – und es gibt Wege aus der Depression, die du nicht alleine beschreiten musst. [52]